07 Juni 2013

Plätzchen

Dass sie dies und das - einen Schal, eine Brille (mal mit, mal ohne Etui), den Schlüsselbund, ein Täschchen, das Portemonnaie, auch schon mal ein Jäckchen - mal hier, mal da mitzunehmen vergisst, vermisst für ein paar Stunden, seltener, aber durchaus auch, für immer - das macht gar nichts, ja, das hat viel Charme, wenn sie zunächst vor sich hin kruschelnd, brummelnd dann, sich jedenfalls auf keinen Fall ("Das fehlt mir jetzt noch!") helfen lassen will, schließlich andere - na, wen schon? - für ihre kleinen Schlampe-reien haftbar zu machen sucht...das ist halt so...stressig für sie und viel Zeit raubend und kaum mehr abstellbar...

Immer wenn sie sich erhöbe irgendwo, riet ihr jüngst eine Bekannte aus dem Hochadel, - Luise, Freifrau von Elsner zu Gronow - , die es deshalb wohl wissen muss, -  sich entferne von irgendwo, solle sie sich umwenden noch einmal und zwar mit dem lauten Bemerken "Auf Wiedersehen, mein liebes Plätzchen"; das zwinge sie, inne und Umschau zu halten, und auf dies Weise sich ihrer Dinge und Utensilien zu versichern.
Also: im hell werdenden Kinosaal: "Auf Wiedersehen, mein liebes Plätzchen", beim Autoausstieg: "Auf Wiedersehen, mein liebes Plätzchen", beim Verlassen des Lokals: "Auf Wiedersehen, mein liebes Plätzchen"...glänzende, nachhaltige Erfolg!!

Nur einmal, nachdem sie sich von einer Parkbank erhoben hatte:
"Auf Wiedersehen, mein liebes Täschchen" - und sie ging ihrer Wege...wäre da nicht der verschmähte Helfer gewesen - das Täschchen bammelte heute noch an der Banklehne



Neulich im Oberen Vinschgau

Neulich im Oberen Vinschgau, im Dörfchen Niederlana...die Pfarrkirche "Mariä Himmelfahrt", die den Schnitzaltar - den größten und schönsten Südtirols -, den Schnitzaltar Hans Schnatterpecks - Sohn des gleichnamigen Malers aus Kaufbeuren, der 1555 in Schlanders abberufen wurde -, bergen soll, ist geschlossen, verrammelt, verriegelt.
Die alte Dame im Blümchenblüschen, die auf dem zur Pfarrkirche "Mariä Himmelfahrt" gehörenden, ja, sie umschmiegenden Kirchenacker frommen Gepflogenheiten - das Nachfüllen der Weihwasserschälchen steht an - sich widmet, weiß auch nicht, was da los ist, berichtet aber vom Nachbarn, der sie und ihren Bruder (dessen Tochter - also die Nichte der ältlichen Kirchenacker-Besucherin - diese zufällig begleitet und "alles bezeugen" kann), berichtet also vom Nachbarn, der sie und ihren Bruder in einer Grundstücksangelegenheit zunächst scheinbar klug beraten, später dann übel betrogen und nach seinem Ableben ( "unter Qualen"!) sich nächtens durch lautes "Klopfen und Pochen und Gestöhne" unangenehm und vor allem schlafstörend bemerkbar gemacht habe, was unsere Kirchenackerdame schließlich durch ein deutliches "Na, gut - ich verzeihe Dir!", durch ein umfängliches Gebet (wahrscheinlich eine Novene B.F.) und durch die Finanzierung einer Sonntagsmesse allerdings und "Gott-sei-Dank" habe abstellen können; das beweise - so die Conclusio unserer neuen, inzwi-schen engen Bekannten, dass es - ihre beiden Arme recken sich himmelwärts - "dort droben etwas gäbe"; das mag ja sein, führt uns aber keinen Schritt näher an den Schnatterpeckaltar.
Im Café "Zum Hasen" - gut platziert gegenüber dem Hauptportal der Pfarrkirche "Mariä Himmelfahrt" und dem Haupteingang zum Kirchenacker (vor dem ein prima Automat, der Grablichter in Rot und Weiß nach Einführung einer 50-Cent-Münze in den dafür vorgesehenen Schlitz zu spenden verspricht, sich befindet) und direkt neben dem - je, nun - örtlichen Beerdigungsinstitut mit breiter Angebotspalette - , im Café "Zum Hasen" also, in dem die mit Mandelstückchen phantasievoll dekorierte Preiselbeeren-Mohntorte der Renner der Saison zu werden verspricht, klärt endlich sich das Mysterium um den weggeschlossenen, angeblich äußerst figurenreichen Hans-Schlatterpeck-Altar in wünschenswerter Luzidität auf:
Über den einzig vorhandenen Kirchenschlüssel, so die ortskundige, propere und auskunftsfreudige Bedienung des Hasencafés, verfüge allein der Messner: "Weil heute aber Dienstag ist, hat der aber Dialyse!"

16 August 2011

Wandlung

Die Nacht von Würzburg, die Nacht, die alles verändert hat...dieser Schwarzmeerkosake, dieser entsetzliche...und da war auch noch der Feuerwehrmann, schleimig und scheußlich, der ihn von hinten, nein, von vorne nahm...oh Gott, ich glaube mehr von oben, denn unten hat es ja gebrannt, gelodert, gequalmt...jedenfalls nahm er ihn - also der Schutzmann, nein, der Feuerwehrmann und warf ihn - den ekelhaften Kosaken -, warf ihn aus meinem schmalen Fenster raus in die finstere Nacht, rettete ihm so das Leben, damit er weiterhin quietschstimmig schlichte Menschen in Bürgerhäusern verschrecken kann... und wer nahm mich? Blieb ich weiter in der Bettengruft? Was war mit dem Frühstück am Morgen danach? Das enthülle ich in einer der nächten Folgen meiner kleinen Reihe: "Aus den Erlebnissen eines oberschlesischen Wanderministranten..."
Aber ich glaube, ich habe ihn , den neuen hohen Ton!!!!!! Juchheee!

18 August 2009

TILT (Forts.)

Monate gehen ins Land, die Slingshots verlieren an Spannung, die Klappse nehmen zu - und eines Abends: eine weinende Kate (Kät - so hat Dieter seine Katharina auch "danach" zärtlich genannt): Dieter, ihr Dieter, ihr geliebter Dieter sei verschwunden, habe sich "aus der Verantwortung gestohlen", habe sie, die schwache Frau im Stich gelassen, was nun werden solle?? Die Konzentration am Gerät lässt nach, die Kugeln verirren sich mehr und mehr in den Out-Lanes----Kate hat ihn ja sooooo lieb....die Soleier schrumpeln...
Und wieder vergehen Wochen...die Tür ist abgeschlossen...Korn fließt...Kate jammert...und da. wie der Geist von Hamlets Vater steht er hinter der Theke, Dieter im Trenchcoat, nasse Haare, weil es draußen - wie ordinäre Menschen sagen - "Katzen schifft", stierer Blick - Kate schreitete, nein, schwebt quer durch den Schankraum auf ihn zu, schüttet ihm ihren Korn ins Gesicht, schmeißt ihm das dazugehörende Glas an den Kopf und dann: pitsch-patsch, pitsch-patsch...

Den "Erlenhof" gibt es nicht mehr; da ist jetzt ein Grieche drin: "Parthenon".

TILT

Ob er "Royal Rumble" hieß oder "Monster Bash" - ich weiß es nicht mehr, jedenfalls ein Gottlieb`s Four-Player war´s, der gleich rechts hinter der Tür stand, hinter der Tür, die in den verbräunten, verquulchten Gastraum der Kleinbürgerkneipe "Zum Erlenhof" - durchaus auch von trinkfesten, hochsemestrigen Studenten frequentiert - führte - "Marburger Brauhaus" im Ausschank, verzwiebelte Frikadellen im Angebot und Soleier in einer merkwürdig milchigen Brühe schwimmend in einem schmierigen Glas auf der Theke...

Wir sind in den frühen Sechzigern, es ist kurz vor Mitternacht, der Plunge knallt noch einmal Kugeln durch die Gates - ich weiß nicht, wer die letzten drei Spiele - 50 Pfennig - zahlen muss, Fiddi oder Klus oder Matthias oder ich, jedenfalls die Bumper jaulen noch einmal auf, ein paar Drop-Targets verschwinden, jemand spielt einen gefühlvollen Bounce-pass und die Scoreanzeige rattert verheißungsvoll...TILT!

Katharina, die Wirtin, die "resolut" zu nennen wirklich passend ist, haut, nachdem sie wie jeden Abend um diese Zeit die Tür von Innen verschlossen hat, dem Gatten Dieter dermaßen eine, nein zwei zwischen die Hörner, sein Steiß touchiert den Flipper - TILT.

Wie jeden Abend gibt`s danach `ne Runde Korn, nein zwei, und dann schleichen wir uns.

05 August 2009

Kinderspiele

Eine oder einer muss zur Spielführerin oder zum Spielführer gemacht werden, z.B. durch Wahl mit Handheben( bei uns mache ich das immer selbst, weil es sich bewährt hat).
Der Spielraum muss eine Lampe enthalten, die von allen, die mitspielen - also bis ungefähr 20 Stück, es können aber auch nur 2 sein - , gut sehbar ist.
Alle, die mitspielen, müssen unbedingt eine Nase haben.
Spielbeginn:
Der Spielführer (- also ich - ) sagt laut "Nase" und deutet mit dem Zeigefinger einer seiner Hände auf seine Nase; diese Startgeste führen alle, die mitspielen, ebenfalls aus; sie deuten auf ihre je eigene Nase.
Dann sage ich auf die Lampe deutend "Lampe" und alle deuten auf die Lampe; der Vorgang wird etliche Male wiederholt: "Lampe"- "Nase", "Lampe" - "Nase" usw..
Finish:
Die überraschende Wendung des Spiels entsteht dadurch, dass ich zum Beispiel "Lampe" sage, aber auf meine Nase deute; nach Reglement müssen die Mitspielenden auf das deuten, was ich gesagt habe - im Beispielsfalle also auf die Lampe.
Wer sich irrt, fliegt - meist unter großem Jubel der anderen - raus.
Derjenige, der bis zuletzt mithält, darf, wenn ich das zulasse, der nächst Spielführer oder die nächst Spielführerin sein.

Anmerkung:
Das Spiel heißt das "Lampe-Nase-Spiel".
Es kann von Kindern ab vier Jahren in Kindergärten oder im Rahmen von Kindergeburtstagen
gespielt werden.
Es kann aber auch von zweckmäßigerweise angetrunkenen Erwachsenengruppen - meist unter großem Hallo - gespielt werden.
Verletzungen sind so gut wie ausgeschlossen!

Viel Spaß!

30 April 2009

Frühlingsgefühle

Hihihi, ist natürlich ein "Locktitel"; hast Du flugs durchschaut, mein schlaues Büchlein...

In den Randspalten unserer Tageszeitung - so was lesen wir Älteren ja noch - findet sich gern "Vermischtes"...
Und die Frau, die aus kaum erklärlichen Gründen sich immer noch und offensichtlich gern an meiner Seite tummelt, freut sich beim Frühstücksei:
"Das muss ich meiner Freundin L. ausschneiden; die muss ein bisschen sparen:

"Bahntickets zum Schnäppchenpreis...."

Und los geht`s - Schere gesucht, gefunden, Brille gesucht, gefunden, ausgeschnippelt und rein ins Kuvert...

Die Stimmung zwischen den Damen ist eisig seitdem.
Ankam das Artikelchen drüber:

"Hirnscanner soll Alzheimer früh erkennen"

06 März 2009

Was ein Tag so bringt...

Nur mal so als Beispiel, was einem ein Tag so bringt, wenn man die kleinen sensiblen Antennen auszufahren vermag, lauscht, liest, labert - ja dann!!!

Also nimm` doch mal sagen wir - also wirklich einfach so - den 5.3.09 - ein düsterer Donners-tag- und welche Schätze birgt er!

Da lehrt mich ein Zeitungsmann das Wort "Miesnickel" zu nutzen und schwubb fällt mir ein: der Peter O., was ist das für ein Miesnickel geworden; hey, der Clint Eastwood in seinem neuen Streifen - was für`n duften Miesnickel der abliefert...kann doch gar nicht ohne gegangen sein früher...Die Sprache ist halt immer in der Entwicklung und es müssen nicht immer Anglizismen sein, die die Jugend so gerne adaptiert.

Und dann lese ich in einem einschlägigen Fachorgan ein "Gespräch" mit dem neuen Staatsekretär im Bayerischen Schulministerium:
Frage: Als promovierter Tierarzt bringen Sie eine ganz neue Sichtweise auf Probleme, Themen und Fragen des Schulalltags mit. Wie sind Sie auf die neue Aufgabe zugegangen?
Antwort: Ein zentraler Aspekt meiner politischen Tätigkeit war immer die Verantwortung für unsere Schöpfung....

Prima, ganz prima und so tiefsinnig...

Und dann die Dame aus meinem unmittelbaren Umfeld sich garderobemäßig auf eine ganz exklusive Festivität vorbereitend zur "Schuhfrage":
"...wegen irgendwelcher Beine, die sowieso nur unter dem Tisch rumstehen, brauche ich doch keine Stöckelschuhe..."

Das war ein erfüllter Tag: eine Prise Poesie, leichtsinniges Scherzen ... und so ist jeder, wenn Du nur, Leser, s.o....




16 Februar 2009

Aus dem Tagebuch eine Wanderministranten

Ja, es gibt sie noch, Büchlein, diese kleinen verschmusten, verfachwerkten Mittelstädtchen in unserem Heimatland...und ihre Bürgermeister, die passen in der Regel zu ihnen wie gespuckt.
Den vom Städtchen A. im Bayerischen, aber nahe an der Grenze zum Hessischen - Sch. mit Namen (CSU)- , den mögen wir - also die Frau an meiner Seite und ich, der Berichterstatter - "Kurbekanntschaft"...

Alsdann: der überraschende Besuch!

Dame in Sch`s Vorzimmer: "Und wen darf ich dem Herrn Ersten Bürgermeister melden?"
Ich: " Ach, sagen Sie einfach, da wär`wer aus Hessen, der kann ihm preiswert eine Gesamtschule verkaufen; wir haben nämlich welche übrig in Hessen."
Die Dame: "...ich glaube, der Herr Erste Bürgermeister braucht keine..."
Ich: "Aber wir haben zu viele - und ihr habt doch noch gar keine..."
Die Dame wird zappelig.
Eintritt ein jüngerer Herr - offensichtlich Aufstiegsbeamter - in Grau - Typ: Heino Ferch, aber in dümmlich: "Wir haben in A. schon ein Gymnasium, eine Haupt-schule, eine Schule für Lernbehinderte...und überhaupt unser Herr Erster Bürgermeister hat überhaupt kein Geld für so was...jedenfalls müsste er sowieso zuerst in die Gremien..."
Ich: "Aber wenn`s ein Schnäppchen ist, schon gebraucht, aber gut erhalten - Konzept inclusive..."

Auftritt des Ersten Bürgermeisters Sch. (CSU) - jovial, verschmitzt, leutselig - ein Traum von einem Provinzbürgermeister - Gelächter, Schulterklopfen...
Konsternierte Dame, konsternierter Büroleiter - jetzt auch grau im Gesicht; die müssen zur Strafe Geschenke herbeischaffen - A.-Kulis, praktische A.-Schlüs-selanhänger, eine aufwändige Chronik ("Vom Werden einer kleinen Stadt"), ein Sonderheft der Zeitschrift "Brauchtum im Spessart" mit einem Bild des Herrn Ersten Bürgermeisters in irgendeiner lustigen Tracht...

Beim Rundgang im "Haus" schleime ich mich - meint meine "bessere Hälfte" - beim Leiter der Stadtbibliothek, bei der Pressesprecherin und bei der zweiten Sekretärin ein ("Haben Sie aktuelle Ausleihzahlen?" "Haben Sie auch Leserinnen und Leser mit Migrationshintergrund gewinnen können?" "Na, wie oft war der Chef denn heute im Regionalblatt?" "Und wie ist denn so das Arbeitsklima?"); währenddessen besprechen mein Goldstück und der Herr Erste Bürgermeister Werdegänge, Entwicklungsstände und gesundheitliche Verfasstheiten diverser Enkelkinder.

Dann: Kaffeetrinken in Sch.`s adrettem Eigenheim - mit viel Kunst heimischer Schaffender heimelig gemacht...

Zweiter Durchgang: Werdegänge usw. diesmal mit der sympathisch-adretten Frau Bürgermeister; die bleibt auch immer noch sympathisch als die mir Angetraute mittels des Sahnespenders (sic!) das adrette himmelblaue Tischtuch einweißt...
Sch. holt adrett holzgerahmte Fotos herbei: Sch. mit Amtskette und Edmund (Sch.: "Edi") Stoiber, Sch. mit Amtskette und Roland Koch...

Die Stimmung steigt , weil inzwischen Zwetschgenwasser aus der Gegend gereicht wird!

Gutgelaunt machen der Berichterstatter und Sch. die Bürodame und den Büroleiter (Sch: "Ein Trockenbrötchen...aber zuverlässig!") nach und erzählen die Gesamtschulnummer...

Frau Sch: "Also Walter, ich tät die auch nicht nehmen; man hört ja eigentlich nix Gutes drüber..."


Das Berichtete beruht auf tatsächlich Erlebtem, Büchlein, aber was ist schon Wahrheit?!?!