Der Düren
Eigentlich heißt er Ernst-Walter; aber alle seine Klassenkameraden nennen den westfälischen Schlaks mit den blondroten Kräusellocken und dem verschmitzten Grübchenlächeln bis heute noch einfach "Düren" nach dem Städtchen, das ihn heranwachsen sah - auch schon mal "Düri", wenn`s gemütlich wird.
Ihm, dem begnadeten Erzähler unendlich vieler Geschichtchen und Geschichten, verdanke ich eine Schnurre aus der Gelehrtensphäre, die ich Dir - Büchlein - anvertraue.
Da habe - so Düren - in Wien einst ein hochkarätiger Thermodynamiker namens Stefan Bolzbrot geforscht und geforscht bis ihm eine Formel zu finden gelungen sei, die seine Wissenschaft gleichsam vom Kopf auf die Füße oder umgekehrt gestellt habe. Die Zunft habe vor Begeisterung getobt; er - Bolzbrot - sei allerdings so fix und fertig und ausgelaugt, "ausgeforscht" könne man auch scherzhaft sagen, gewesen, dass seine jahre-, gar jahrzehntelang vernachlässigte Gattin ihn endlich zu einem Kurzurlaub habe überreden können, der das Paar nach Triest führte.
Nach unruhiger, nicht eben glücklich zu nennender erster Nacht habe Bolzbrot seinem Weibe beim Frühstück offenbart, sich nächtens eine noch komplexere, noch revolutonärere Formel ausgedacht zu haben, die es umgehend in Wien experimentell zu verifizieren gelte.
Der Schluck Morgenschokolade, den die Ehefrau Bolzbrot eben im Begriffe war, sich reinzuziehen , ergoss sich auf ihr kariertes Reisekleid:
"Nein, wir bleiben!" "Doch, wir fahren sofort und zwar zusammen!" Ein Wort ergab das andere, wie man - merkte Düren an - zu sagen pflegt.
Bolzbrots "bessere Hälfte" - ohne die der praktisch nicht bildbare Forscher verhungern und verdursten würde, meinte Düren zu wissen, sei stur geblieben; sie habe nur das bekleckerte Kleid und nichts sonst, was sich als Reisegarderobe eignen könnte. Eine plausible Einwändung!
Folglich blieb der Wissenschaftskapazität nichts anderes übrig, als sich ins Badezimmer zu begeben, um sich zu entleiben.
Er läge nun auf dem Wiener Zentralfriedhof, was er - Düri - beweisen könne, habe er doch seinen Grabstein, auf dem die Zauberformel verewigt sei , kürzlich erst digital abfotografiert.
Was aus Bolzbrots Ehefrau geworden sei, wisse er leiden nicht, habe sich ehrlich gesagt auch nicht bemüht, will der Frage möglicherweise aber nachgehen.
Meine Frau hat an meinen kleinen literarischen Versuchen immer etwas auszusetzen; sie erinnere sich genau: Ernst-Walter könne gar nicht "Düren" genannt werden, weil er nämlich aus Dormagen abstämmig sei, weshalb man ihn auch "Dormagen" - oder liebevoll "Dormi" gerufen habe.
Bleibt mir nur zu brummen: gut, dass er nicht aus Reit im Winkel kommt....
Ihm, dem begnadeten Erzähler unendlich vieler Geschichtchen und Geschichten, verdanke ich eine Schnurre aus der Gelehrtensphäre, die ich Dir - Büchlein - anvertraue.
Da habe - so Düren - in Wien einst ein hochkarätiger Thermodynamiker namens Stefan Bolzbrot geforscht und geforscht bis ihm eine Formel zu finden gelungen sei, die seine Wissenschaft gleichsam vom Kopf auf die Füße oder umgekehrt gestellt habe. Die Zunft habe vor Begeisterung getobt; er - Bolzbrot - sei allerdings so fix und fertig und ausgelaugt, "ausgeforscht" könne man auch scherzhaft sagen, gewesen, dass seine jahre-, gar jahrzehntelang vernachlässigte Gattin ihn endlich zu einem Kurzurlaub habe überreden können, der das Paar nach Triest führte.
Nach unruhiger, nicht eben glücklich zu nennender erster Nacht habe Bolzbrot seinem Weibe beim Frühstück offenbart, sich nächtens eine noch komplexere, noch revolutonärere Formel ausgedacht zu haben, die es umgehend in Wien experimentell zu verifizieren gelte.
Der Schluck Morgenschokolade, den die Ehefrau Bolzbrot eben im Begriffe war, sich reinzuziehen , ergoss sich auf ihr kariertes Reisekleid:
"Nein, wir bleiben!" "Doch, wir fahren sofort und zwar zusammen!" Ein Wort ergab das andere, wie man - merkte Düren an - zu sagen pflegt.
Bolzbrots "bessere Hälfte" - ohne die der praktisch nicht bildbare Forscher verhungern und verdursten würde, meinte Düren zu wissen, sei stur geblieben; sie habe nur das bekleckerte Kleid und nichts sonst, was sich als Reisegarderobe eignen könnte. Eine plausible Einwändung!
Folglich blieb der Wissenschaftskapazität nichts anderes übrig, als sich ins Badezimmer zu begeben, um sich zu entleiben.
Er läge nun auf dem Wiener Zentralfriedhof, was er - Düri - beweisen könne, habe er doch seinen Grabstein, auf dem die Zauberformel verewigt sei , kürzlich erst digital abfotografiert.
Was aus Bolzbrots Ehefrau geworden sei, wisse er leiden nicht, habe sich ehrlich gesagt auch nicht bemüht, will der Frage möglicherweise aber nachgehen.
Meine Frau hat an meinen kleinen literarischen Versuchen immer etwas auszusetzen; sie erinnere sich genau: Ernst-Walter könne gar nicht "Düren" genannt werden, weil er nämlich aus Dormagen abstämmig sei, weshalb man ihn auch "Dormagen" - oder liebevoll "Dormi" gerufen habe.
Bleibt mir nur zu brummen: gut, dass er nicht aus Reit im Winkel kommt....

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