16 April 2008

Von Bett zu Bett oder IONESCO redivivus


Er: Endsechziger
Sie: Mitsechzigerin
Ort: Zwei Betten
Zeit: 6,30 früh


Sie: Die Frau an der Ecke steht jeden Tag um 6 Uhr auf...
Er: ???
Sie: An der Ecke Frankfurter Straße...die steht immer um 6 Uhr auf...
Er: ???
Sie: Die mit dem Haus, an dem so viele Blumen auf dem Balkon sind, sieht so bayerisch aus; sie kommt aber aus Kassel...
Er: Woher weißt Du das mit dem Aufstehen?
Sie: Ich hab´sie halt gefragt...
Er: ???
Sie:Ich hab` halt gefragt: "Sie haben ja die Haare so schön...und sie waren doch schwimmen...?" Und da hat sie gesagt, dass sie zwischendurch beim Frisör war...Die hat so einen süßen Enkel...
Er: ???
Sie: Jetzt ist der schon ein Mann - aber als der so 13/14 Jahre alt war und alle pubertiert haben, da ist er immer mit ihr spazieren gegangen...untergehakt!!
Er: Toll..und wie war das mit dem Schwimmen?
Sie: Gestern vormittags als ich zum Arzt ging hab´ich sie mit Handtüchern aus ihrem Auto steigen sehen, aber weil ich auf der anderen Straßenseite war, konnte ich sie nicht ansprechen; mittags als ich aus der Stadt kam und sie die Frisur hatte, hab´ich sie halt angeprochen...
Er: Und?
Sie: Und da hat sie gesagt: "Wenn man früh aufsteht, hat man mehr vom Tag!"
Er: Ach so!
Sie: Und da hab`ich gesagt: "Früh am Morgen ist die schönste Tageszeit.."
Er. Stimmt

13 April 2008

Selige Zeiten

"Ist nicht alles Erinnerte ein später Erzähltes?
Was ist noch da an Eigenem?"
(Urs Faes)
Das frage ich mich auch oft, quäle mich nächtens, arbeite mich literarisch in dem Problemfeld ab...so auch hier...aber komme ich weiter?

Gell, da staunst Du, Büchlein, was ich an Halbwissen wo herhole?

Fahles Grün einer gemähten Wiese erinnere ich, wenn ich an das Durodont-Männchen denke um das ich mich mühte damals in den späten 40´er Jahren (mögen auch die frühen 50´er gewesen sein)...
Ein Luftballonfigürchen - 60 cm ( mögen auch 80 gewesen sein) hoch, an seinen Pappschei-benschuhen befestigt mit aufgemaltem Grinsen - s´ging ja um Zahnpflege dabei...
Wer, sagte der Mann im Runfunk, in einer Durodont-Zahncreme-Verkaufsstelle singe:
"Jeden Morgen Durodont, jeden Abend Durodont
Durodont ein wenig bloß
Putzt die Zähne tadellos"
und dann dreimal rufe:
"DU-RO-DONT!",
der bekäme den grünen Gnom ausgehändigt...und zwar aufgeblasen...

Wir haben´s versucht - Thielens Wilhelm mag dabei gewesen sein, das Heinzchen Wolf sicher auch und vermutlich noch Dieter - "die Pille" - Pilling, ja, und bestimmt der Udo Schnorrenberg, der sich gern "Schnorri" rufen ließ...

Im Flur der Heiseschen Apotheke haben wir nach gründlichem Üben in Thielens Scheune oder Fabers Stall wunderbar text- und melodiesicher vorgetragen - aber noch vor "putzt" kam der alte Heisen rausgestürzt aus seinem Laden: ob wir sie noch alle hätten, verkommen seien wir und alles das werde er unserem Lehrer Abel melden...

Ich war zerstört, deprimiert, traute den Menschen im allgemeinen und denen im Radio im besonderen nicht mehr, schwor allem Singen ab...
Meine Mutter, meine gute Mutter wusste Rat: Trinters Elli, das demnächst den Eberhard Elsasser ( der unversehrt aus dem Krieg an der Heimatfront zurückgekehrt war und mich gern mal auf seinem DKW-Motorrad, das wir scherzhaft "DKwupptich" zu nennen pflegten, mitnahm und bei desen Eltern wir Unterkunft gefunden hatten, wir armen Flüchlinge - zu fünft in einer Stube mit Kohlenofen, - aber das führt ab ( führt ab??)) heiraten würde, verlobt seien sie ja schon, verkaufe ja in der in Rede stehenden Apotheke und sei immer so nett...
Und siehe da: bald war ein fahlgrünes Männlein meins!

Aber als ich zu oft mit ihm "Zähneputzen" spielte, machte es bald "Peng"...aber da war ich nicht mehr traurig,weil ich inzwischen mehr Indianer mochte....

Ich widme den Text meiner Enkelin Ilvy und bitte deren Eltern höflich, ihr ihn hin und wieder in geeigneter Form bekannt zu geben!

Das Häppchen

"Die VERLÄRMUNG von Stadtvierteln" nähme zu, stand neulich in einem Feuilleton...na, dann..