28 März 2008

Nachtmahre in Würzburg

Kunst - sagt der Kenner - schicke sich an, Chaos in die Ordnung zu bringen; manche Kenner setzen dagegen: Ordung ins Chaos zu bringen, das sei der hohe Auftrag künstlerischen Schaffens.
Ehrlich gesagt, Büchlein: ich habe mich in diesem ästhetisch-theoretischen Minenfeld ---uiuiuiuiui, da wird diskutiert, dass die Fetzen fliegen und die Bilder von den Wänden knallen! - noch nicht - mag`s meiner Feigheit, mag´s meiner Ignoranz geschuldet sein - positioniert.

Und deshalb und nur deshalb vermag ich mein Opus Magnum, die Beschreibung jener Nacht des Horrors und Terrors, die ich im Würzburger Geistergasthaus erlebt, nein, überlebt habe, vorerst nicht zu vollenden.

Ich verweise Dich, Büchlein auf meine Vorüberlegungen vom 3.6.2006, die ich unter der Überschrift, von der ich mich allerdings demnächst zu distanzieren gedenke: "Der Schwarzmeer Kosake aus Würzburg" ausgepresst habe, und auf den Zwischenbericht vom 24.8.2006 ("Wer ist Riemenschneider?"), der mein Wollen letztverbindlich dokumentiert.
Das ist der Maßstab, an dem ich einst gemessen werden möchte!

Ja, ja ich kenne Deinen Einwand, erst in der Form habe der Inhalt sich erledigt - weiß ich doch selbst, ist aber hier nicht so sehr das Problem, weil ich mich - die Letztfassung betreffend - längst schon für einen unredigierten Seelenstriptease entschlossen habe - dann kommt alles auf den Tisch des Hauses und zwar mit einem Schmackes, derdas Geschirr zum klimpern!

Bald, bald, Geduld, Geduld....

17 März 2008

Der Düren

Eigentlich heißt er Ernst-Walter; aber alle seine Klassenkameraden nennen den westfälischen Schlaks mit den blondroten Kräusellocken und dem verschmitzten Grübchenlächeln bis heute noch einfach "Düren" nach dem Städtchen, das ihn heranwachsen sah - auch schon mal "Düri", wenn`s gemütlich wird.
Ihm, dem begnadeten Erzähler unendlich vieler Geschichtchen und Geschichten, verdanke ich eine Schnurre aus der Gelehrtensphäre, die ich Dir - Büchlein - anvertraue.
Da habe - so Düren - in Wien einst ein hochkarätiger Thermodynamiker namens Stefan Bolzbrot geforscht und geforscht bis ihm eine Formel zu finden gelungen sei, die seine Wissenschaft gleichsam vom Kopf auf die Füße oder umgekehrt gestellt habe. Die Zunft habe vor Begeisterung getobt; er - Bolzbrot - sei allerdings so fix und fertig und ausgelaugt, "ausgeforscht" könne man auch scherzhaft sagen, gewesen, dass seine jahre-, gar jahrzehntelang vernachlässigte Gattin ihn endlich zu einem Kurzurlaub habe überreden können, der das Paar nach Triest führte.
Nach unruhiger, nicht eben glücklich zu nennender erster Nacht habe Bolzbrot seinem Weibe beim Frühstück offenbart, sich nächtens eine noch komplexere, noch revolutonärere Formel ausgedacht zu haben, die es umgehend in Wien experimentell zu verifizieren gelte.
Der Schluck Morgenschokolade, den die Ehefrau Bolzbrot eben im Begriffe war, sich reinzuziehen , ergoss sich auf ihr kariertes Reisekleid:
"Nein, wir bleiben!" "Doch, wir fahren sofort und zwar zusammen!" Ein Wort ergab das andere, wie man - merkte Düren an - zu sagen pflegt.
Bolzbrots "bessere Hälfte" - ohne die der praktisch nicht bildbare Forscher verhungern und verdursten würde, meinte Düren zu wissen, sei stur geblieben; sie habe nur das bekleckerte Kleid und nichts sonst, was sich als Reisegarderobe eignen könnte. Eine plausible Einwändung!
Folglich blieb der Wissenschaftskapazität nichts anderes übrig, als sich ins Badezimmer zu begeben, um sich zu entleiben.

Er läge nun auf dem Wiener Zentralfriedhof, was er - Düri - beweisen könne, habe er doch seinen Grabstein, auf dem die Zauberformel verewigt sei , kürzlich erst digital abfotografiert.
Was aus Bolzbrots Ehefrau geworden sei, wisse er leiden nicht, habe sich ehrlich gesagt auch nicht bemüht, will der Frage möglicherweise aber nachgehen.

Meine Frau hat an meinen kleinen literarischen Versuchen immer etwas auszusetzen; sie erinnere sich genau: Ernst-Walter könne gar nicht "Düren" genannt werden, weil er nämlich aus Dormagen abstämmig sei, weshalb man ihn auch "Dormagen" - oder liebevoll "Dormi" gerufen habe.
Bleibt mir nur zu brummen: gut, dass er nicht aus Reit im Winkel kommt....